Verhinderungspflege und was es zu wissen gibt

VerhinderungspflegePflegebedürftige Personen haben nicht nur den Anspruch auf die nach §45b SGB XI gewährten zusätzlichen Betreuungs- und Entlastungsleistungen. Die Verhinderungspflege kann nach §39 SGB XI beantragt werden.

Was bedeutet die Verhinderungspflege?

Wie dem Namen schon entnommen werden kann, handelt es sich um eine Leistung, die im Verhinderungsfall zum Einsatz kommt. Sprich, ist eine mit der Pflege betreute Person verhindert, kann damit für einen Ersatz gesorgt werden. Die Pflege eines Menschen bedarf schließlich auch einer Pause und für solche Zeiträume gibt es die Verhinderungspflege nach §39 SGB XI.

Auf das Jahr verteilt handelt es sich dabei um 42 Tage, die durch die Verhinderungspflege überbrückt werden können. In Summe ergibt sich dadurch ein Betrag von 1.612 Euro jährlich.

Wer hat ein Recht auf sie?

Damit die Verhinderungspflege beantragt werden kann, muss mindestens der Pflegegrad 2 vorhanden sein. Insgesamt haben zwei Pflegegruppen Anspruch auf die Verhinderungspflege.

Pflegegrad 2 beim Start der Verhinderungspflege
Um die Verhinderungspflege in Anspruch nehmen zu können, muss der Pflegegrad 2 vorliegen. Das bedeutet allerdings nicht, dass er schon bei der Beantragung zugrunde liegen muss. Wichtig ist, dass der Pflegegrad zum Beginn der Verhinderungspflege greift.

Sie kann also auch präventiv beantragt werden.

Nach 6 Monaten Vorpflege

Innerhalb der 6 notwendigen Monate sind der zu pflegenden Person einige Freiheiten gestattet. So muss es kein lückenloser Zeitraum sein. Ausnahmen, wie Krankenhausaufenthalte, Reha o.ä. unterbrechen den Zeitraum nicht. Das bedeutet, wenn man 3 Monate Pflege hat, dann zwei Wochen ins Krankenhaus geht, starten die 6 benötigten Monate nicht wieder von Beginn an.

Es muss auch nicht permanent ein und sie dieselbe Person die Pflege innerhalb dieser Monate übernehmen. Wichtig ist nur, dass eine kontinuierliche Pflege über den Zeitraum nachgewiesen werden kann.

Wer führt die Verhinderungspflege durch?

Die Verhinderungspflege kann prinzipiell von jedem übernommen werden. Allerdings sollte auch eine Person ausgewählt werden, die sich für die grundlegenden Aufgaben der Pflege eignet.

Wer jedoch einen Unterschied bei den ausführenden Personen macht, ist die Pflegekasse. Dort kommt es auf die Beziehung zwischen pflegender und zu pflegender Person an.

Verwandt und verschwägert
Handelt es sich bei der ausführenden Person der Verhinderungspflege um eine verwandte, verschwägerte oder am gleichen Wohnsitz gemeldete Person, gibt es nicht den vollen Betrag. Dabei errechnet sich ein Schnitt, der vom monatlichen Pflegesatz abhängt.

Um das zu verdeutlichen, sind folgend zwei Beispiele mit zwei verschiedenen Pflegegraden aufgeführt.  

Verhinderungspflege

Pflegegrad 2
Eine Woche Urlaub braucht jeder irgendwann einmal. Um eine vertrauenswürdige Betreuung für diesen Zeitraum zu gewährleisten, übernimmt der Bruder für 7 Tage. Insgesamt stehen dem zu Betreuendem monatlich 316 € zu.

Von diesen 7 Tagen werden 2 Tage mit dem kompletten Tagessatz von 10,53 € vergütet.
Es gilt also 2 x 10,53 € = 21,06 €

Die restlichen 5 Tage werden mit dem halben Tagessatz vergütet, der bei diesem Beispiel 5,26 € beträgt.
So errechnet sich: 5 x 5,26 € = 26,30 €

Für den gesamten Zeitraum stehen dem Bruder also durch die Verhinderungspflege insgesamt 47,36 € zu. (21,06 € + 26,30 €)

Pflegegrad 3
Bei diesem Beispiel übernimmt die Schwester für den gleichen Zeitraum die Verhinderungspflege. Der Unterschied liegt einzig und allein im Pflegegrad und dem daraus resultierendem monatlichen Pflegegeldsatz. Dieser beläuft sich beim Pflegegrad 3 auf 545 € im Monat.

2 dieser 7 Tage werden mit dem Tagessatz von 18,16 € vergütet
Das bedeutet: 2 x 18,16 € = 36,32 €

Die restlichen 5 Tage werden wieder mit der Hälfte vergütet
Es gilt: 5 x 9,08 € = 45,40 €

Für den gesamten Zeitraum stehen der Schwester somit durch die Verhinderungspflege insgesamt 81,72 € zu. (45,40 € + 36,32 €)

Betreuungsdienst und nicht verwandt

Wird die Verhinderungspflege nach §39 SGB XI durch einen Dienstleister oder einer Person übernommen, die nicht bis zum 2. Grad verwandt ist, liegt die Summe der Verhinderungspflege jährlich bei 1.612 Euro.

Im Gegensatz zu den zusätzlichen Betreuungs- und Entlastungsleistungen nach §45b SGB XI kann ein nicht genutzter Betrag nicht mit ins neue Jahr übernommen werden.

 

Verhinderungspflege für bis zu maximal 8 Stunden am Stück

Es muss sich nicht immer um einen Urlaub handeln oder den einen Ausfall, der sich über mehrere Tage zieht. Der Pflegende hat Jahrestag und braucht für ein paar Stunden Ersatz? Auch in dem Fall kann die Verhinderungspflege genutzt werden.

Dabei ist zu beachten, dass sie weniger als 8 Stunden betragen sollte, damit das Pflegegeld komplett für den Zeitraum ausgezahlt wird. Sobald diese Zeit überschritten wird, geht es mit der Hälfte des Pflegegeldsatzes weiter.

Die Verhinderungspflege beantragen

Während bei den zusätzlichen Betreuungsleistungen nach §45b SGB XI keine Antragsstellung vorläuft, muss die Verhinderungspflege nach §39 SGB XI bei der Pflegekasse beantragt werden. Den Antrag nach §39 SGB XI können Sie auch bequem bei Ihrer zuständigen Pflegekasse telefonisch oder online beantragen. Bitte beachten Sie, dass nicht jede Pflegekasse diesen online zur Verfügung stellt.

Nach §45 SGB XI steht dem zu Pflegenden sogar rückwirkend ein Anspruch auf die Verhinderungspflege zu. Dieser kann für einen Zeitraum von 4 Jahren geltend gemacht werden, sofern die entsprechenden Nachweise lückenlos vorliegen.

Kurzzeitpflege zur Kombination nutzen – Verhinderungspflege aufstocken

Es gibt neben der ZBL und der Verhinderungspflege auch noch die Kurzzeitpflege. Bei ihr handelt es sich nicht um eine ambulante, sondern um eine stationäre Pflege und Betreuung. Insgesamt werden von der Pflegekasse mit den 1612 Euro 52 Tage gewährt, statt der ambulanten 42 Tage.

Handelt es sich jedoch um eine Pflegeperson, bei der die stationäre Pflege nicht beansprucht wird, kann mit der Kurzzeitpflege noch einmal die Hälfte der Verhinderungspflege aufgestockt werden.

Das bedeutet: 1612 Euro + 806 Euro = 2.418 Euro